12
Apr
2018
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Signs of Wisdom

Wir sind zu dritt. Mit Gepäck quasi zu fünft. Ganz vorne ein gefüllter 60 Liter Rucksack. Dahinter ein kleiner Vietnamese, mein Mann, an dem ich mich festhalte, und ich. Mein Hintern hat nicht mehr viel Platz auf dem Rücksitz des Rollers, der uns durch den morgendlichen Berufsverkehr in Hanoi manövriert. Mein Compagnon-Rucksack zieht mich sanft nach hinten – die Muskeln meiner Oberschenkel ächzen. Während der ersten fünf Minuten haben mich die Stimmen im Kopf im Griff: „Was tust Du da?“ „Wie willst Du das das 50 Minuten aushalten ohne runterzurutschen?“ „21.000 Verkehrstote pro Jahr? Geht’s noch?“ Mein Helm wackelt munter auf dem Kopf hin und her und ist mehr lustiges Accessoire als Schutz, die Luft ein Gemisch aus Abgasen. Die Geräuschkulisse so dicht, dass wir alleine deswegen nicht umkippen können. Wir werden überholt, überholen, neben uns zieht eine eine Frau im dunkelblauen Businessdress hingebungsvoll die Lippen nach. Unser Fahrer telefoniert, die freie Hand am Lenker. Ich atme tief ein. Und aus. Und gebe mich hin. Dem Lärm. Dem Verkehr. Der Situation. Dem Vertrauen, dass alles gut wird. Weil am Ende immer alles gut wird. Fünf Minuten später fummle ich das Handy aus der Hosentasche. Und filme. Ich leide nicht an Realitätsverlust. Ich genieße ihn. Und das ist erst der Anfang. CUT.

Etwa zehn Tage später. Wieder Berufsverkehr, diesmal zum Feierabend. In einem bequemen Minibus mit 9 anderen Menschen. Mehr Platz – auch zum Abrutschen ins Kopfkino am Ende des ersten Tages im „ABENTEUER VIETNAM“. Herz auf für das Unbekannte. Mit Alanis Morissette auf der inneren Tonspur schließe ich mit mir den Tourvertrag. „What I resist, persists and speaks louder I know.“ Ich vereinbare mit mir, den Widerstand anzunehmen. „Oanehma“, wie man in Bayern sagt.

Angefangen hat es an diesem Dienstag im April mit Aufstehen um 5.30h und Aufbruch zum Frühsport am Hoan Kien See um 6.00h – Paartanzend über die Plaza schweifen, den Bauch halten beim Lachyoga, aerobische Moves in der nebelschwangeren Morgenluft, wie in der Oberstufe Macarena mit den Mädels oder die Schwerter und Messer schwingen beim meditativen Kampfsport. Jeder kann mitmachen, mitlachen, mitleben. Sich mitfreuen. Oder etwas Neues lernen. Es geht ums dabei sein. Sich einlassen. Oder als Besucher durchs Beobachten erfahren wie die Menschen hier in den Tag starten. Statt zu Hause über die ideale Morgenroutine zu philosophieren, geht’s hier ins Freie, in die Gruppe, in den Flow. Ohne langes Grübeln.

Warmgeknipst und warmgetanzt bringt uns der Minibus raus in ein kleines Wunderland. Der Thanh Chuong Viet Palace ist kondensierte Kultur, ein Kleinod mit Tempeln, Häusern, Kunst, versteckten Schätzen in uralten Bäumen, ein Sammelsurium vietnamesischer Kunst aus vergangenen Zeiten. Hier stimmen wir uns ein auf zwölf gemeinsame Reisetage. Wir lernen, dass uns in den nächsten zwei Wochen der Jüngste unserer Truppe den Reis in die Schälchen servieren wird. Mindestens zwei volle Löffel. Den ersten für die Geister, die uns begleiten und die in Vietnam präsent sind.

Was Eiswürfel und süße, dickflüssige Kondensmilch im Kaffee verloren haben, zeigt uns Heiko. Das schwarze, duftende Getränk wird so lange gerührt, bis es hellbraun und trinkbar ist. Die Süße? Zahnweh macht sie immerhin keine. Fazit: hier schmeckt es bevor wir nicht auf den Tourvertrag anstoßen, den alle unterzeichnen. Bevor wir unserer „Klammeridee“ teilen, die unser fotografischer Fixstern, Fokus, roter Faden unserer Reportagen durch den Norden Vietnams sein wird.

Eines kann ich versprechen: es wird spannend mit der Crew wunderbarer Menschen. Christina, Kai, Mark, Melanie und Ronny, unsern Tourengeln Ly und Heiko und unserem Mind- und Soulguide Steffen. Wir werden uns im Minibus durchschütteln lassen, Wasserbüffel mit Kranichen auf dem Rücken vor nebelumwaberten Bergkulissen in 3 D fotografieren, uns als Menschen besser kennenlernen, fotografisch und menschlich wachsen, über unser inneres Lächeln schmunzeln, das mit jedem Schritt breiter wird, uns durch atemberaubende Landschaften im Morgennebel träumen und offen sein für das, was als Grundbedürfnis jeden Menschen antreibt: Begegnungen die berühren, bereichern und uns ein Leben lang begleiten werden. So oder so ähnlich und auf jeden Fall ganz anders wird es hier weitergehen. Kommst Du mit ins Hier und Jetzt des Abenteuers einer echten Begegnung? Mit uns, mit Vietnam, mit den Menschen? Schön, dass Du dabei bist!

Text & Bilder: Andrea Mühleck http://andreamuehleck.com

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